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Boredoms - Vision Creation Newsun

newsun Eine halbe Minute lässt einen Vision Creation Newsun im Glauben, man könne das hier ohne Folgeschäden überstehen. Lose schwirrende Gitarren und digitales Geflöte, wie man es von den Berlinern Monoland oder teilweise auch My Bloody Valentine kennt, möchten ein schönes Dreampopalbum ankündigen. Dann nölt Frontmann Yamatsuka Eye "Newsuuuun"...

...und plötzlich sind wir mitten im E-Gitarren-powered Avantgarde Jazz, an dem auch John Zorn seine Freude hätte. Dudelige Elektrosounds loopen sich ins Gehirn und bei der Vier-Minuten-Marke steht der Song plötzlich nackt da. Tribaldrumming im Dschungel, Samba, zwei Minuten verschnaufen bei Dauerbeat. Dann ab Minute 6 wieder zischende Effekthascherei und das kaputte Spielzeug, das die immer gleiche Tonleiter rauf und runter spielt. "Vision, Creation, Newsun!" immer wieder. In Minute 8 bricht alles auseinander und mündet in ein reich schimmerndes Klangmeer aus blubbernden Effekten, einer Gitarre die im Nebenraum ein endloses Solo spielt und noch mehr krummen Rhythmen. Endlich schlägt wie ein Tsunami nach über zwölf Minuten musikalischer Achterbahn ein Drone über dem Stück ein. Der erste Track ist fast überstanden. Und die Boredoms haben sich eingespielt.

Wie in Trance beschleunigen sie immer weiter und scheinen unausweichlich auf ein Crescendo zuzusteuern. Das wäre aber natürlich langweilig, darum haut Eye einen der vielleicht fiesesten Breaks überhaupt ein und lässt den Titel komplett aus der Spur laufen, zerhackt das Tape bis man eigentlich sicher ist, dass die CD hängt. Langsam aber findet das vorherige Thema wieder seinen Weg in das gestörte Synthie-fiepen und schlägt nun tatsächlich noch mehr ein. Das ist dann endgültig Technodisco für Jazzliebhaber und Noisefans. Dann besinnt man sich wieder für einen entspannten dritten Track (Songtitel gab es nur in der japanischen Version, und auch da nur in Form von Symbolen wie "Spirale") auf effektvolles Schlagzeugspiel und ein einfaches Thema, das von allen Seiten versucht den Kopf zu infiltrieren und nur durch Mitwippen kompensierbar ist. Wer auf einen erneuten Geschwindigkeitsrausch und den vollkommenen Sprung gegen die Betonwand wartet, wird aber daraufhin auch nochmal bedient.

Die meist nahtlosen Übergänge der neun Tracks formen zusammen mit dem fast ununterbrochenen Einsatz von manischem, archaisch anmutendem Getrommel einen irrwitzigen Sog. Immer wieder ebben die verrückten Jams ab und lassen Raum für Ambientträumereien, die dann wieder von den Drums nach vorne geprügelt werden. Auch die extrem penible und beizeiten einfallsreiche Produktion ist sehr beeindruckend und macht das Album noch eigenwilliger und fokussierter. Kunst im besten Sinne. Daher:

∑∆Ω/10

77 Boadrum Video (Yamatsuka Eye und 77 Schlagzeuger)

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