Dienstag, 5. September 2006

Sonic Youth - Sonic Nurse

Jaja, die sechshundertdreiundzwölfte Sonic Youth, schätzungsweise. Und mittlerweile gibts auch noch eine mehr. Aber das ist ja egal, denn wie jedes Album der New Yorker Indiedinos ist auch 'Sonic Nurse' eine Sache für sich. Wie beim Vorgänger 'Murray Street' darf Jim O´ Rourke als fünftes Bandmitglied mitmusizieren. Der Kampf Kunstkrach gegen Popmusik fiel diesmal zu gunsten der letzteren aus, ist allerdings im Vergleich zum Wohlklang der aktuellen Platte doch deutlicher vorhanden.

Das zeigt bereits der Opener 'Pattern Recognition', der in sechseinhalb Minuten versucht alle Qualitäten der Band zu bündeln. Kim Gordon darf singen und bellen, Dynamik kommt übers Effektpedal und diese zuckrig melancholischen Melodien machen am Ende Platz für einen famosen Feedbackstrudel, wie ihn halt am besten Sonic Youth backen. Äußerst schmackhaft, Noise und Indiepop. 'Unmade Bed' und 'Dripping Dream' zeigen sich harmlos, verunsichern nur empfindliche Naturen, und sind trotzdem von Interesse. Einfach, weil sich zum Beispiel im dritten Track die Gitarren wieder so unwiderstehlich klare Töne zuspielen, der Beat so unbeirrt an der kurzen Leine hoppelt. Irgendwann gipfelt es ja doch wieder im Crescendo. Dann aber kurz und wirksam. Doch jetzt darf Kim wieder ran, eine Trademark-Kim! 'Kim Gordon and the Arthur Doyle Hand Cream' ist eine Kratzbürste, ist "dirty", ist scharf gewürzt. Jetzt nimmt die Platte Fahrt auf. 'Stones' ist ein wunderbares Lied für Hotelzimmer und Spaziergänge am Sonntag. Die Behandlung bei der 'Dude Ranch Nurse' erfolgt mit kaum sterilen, aber umso schärferen Instrumenten. Und wem das zuviel ist, der lässt sich von 'I Love You Golden Blue' betäuben, einem wunderbaren psychedelischen Sonnenstrahl.

Zwar kann man sich bei diesem Album durchaus wohlfühlen, doch es funkelt da eine dunkle, bluesige Note. Es ist eine Schönheit, wie auch das zugehörige Artwork. Aber die schönsten Mädchen sind am Ende doch meist die gefährlichsten. Und wer dieser Krankenschwester hinterherpfeift, dem klingeln bald die Ohren.

8/10

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