Dienstag, 15. August 2006

Melt-Banana - Teeny Shiny

"Free the Bee" fordert der erste Track. 45 Sekunden lang piepst und flirrt das, was mal ein Intro sein sollte, an einem vorbei, ehe Bass und Schlagzeug übereinanderstolpern und eine Gitarre mit den Fingernägeln über die Tafel kratzt. Die Stimme von Sängerin Yasuko ist hoch, sehr hoch, und verkündet Stakkatopoesie. "Electric, archaic, cosmic, i doubt... Clash!". Nicht zuviel versprochen. Im dritten Track "Lost in Mirror" sind die Japaner rhythmisch komplex wie nie, laden zu ekstatischem Zucken ein statt den Hörer wie üblich mit Highspeedparts niederzuknüppeln. Aber keine Panik, ab "First Contact to Planet Q" werden wir auf eine kleine Reise durchs Weltall mitgenommen, in der die nötige Schubkraft einer Rakete zum Planeten Q vorzüglich vertont wird. Das hochfrequente Fiepen im fünften Track lässt an den Tinitus nach dem letzten Konzert der japanischen Noiseterroristen denken und selig grinsen. Agata, der Gitarrist (wenn man ihn denn so nennen will) könnte mit seiner Effektpalette so ziemlich jeden grobkörnigen Horrorstreifen vorzüglichst vertonen. Bei Melt-Banana sorgt er für Entsetzen oder Verzückung, abhängig von Hörgewohnheiten. In "Skit Closed, Windy..." pluckert sogar ein Jazzpart, ehe das abschließende "Moon Flavor" geradezu tanzbar im Sechseck hüpft. Jedoch: "The ship can leave but burst like Bang!!". Die Drohung wird im Hidden Track wahrgemacht, dessen unschuldiges Rauschen von einer der klassischen, wenige Sekunden langen Komplettvermöbelungen zerschossen wird.

Und wir sind raus. Man hört die Vögel auf einmal viel lauter zwitschern, sieht sich um ob noch alles in Ordnung ist auf dem Schlachtfeld. "Teeny Shiny" ist das Destillat der besten Momente von Melt-Banana. Es verbindet die gerade nötige Menge an Songwriting mit der ureigenen Energie und einer sehr guten Produktion sowie, jetzt kommts, einer Handvoll Melodien. Ziemlich großartig.

7/10

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