Freitag, 13. Februar 2009

Umleitung

Sämtliche Inhalte dieses blogs sind umgezogen zu meinem anderen blog "monomaniac", weshalb hier an dieser Stelle in Zukunft rein garnichts mehr passieren wird. Musikalisch geht es aber auch bei monomaniac weiter!

monomaniac

Mittwoch, 28. Januar 2009

Kaugummikrise

Tujiko Noriko - ハードにさせて

haado ni sasete Tujiko Noriko holds a special place in my music-collection cause she was really the artist that got me into the whole electronic/ downbeat genre, especially its japanese manifestations. Japan has quite an active and interesting scene in that field to be discovered and though not all discoveries might be as original and rewarding as Tujiko was for me, I surely still enjoy browsing the net, in search of that perfect click-clackery beat, warm melancholic soundwaves and those japanese vocals that sometimes still seem so far away to me, though I've long come to understand the bigger part of them and feel slightly embarassed when Tujiko sings that „watashi no o-shiri“-part.

Tujiko is often and unfairly compared to Björk, I guess mostly by music journalists whose knowledge of female artists who have a slightly off-center approach to electronic music and a bit of a mystic space surrounding them doesn't stretch beyond that one icelandic girl. Not to say that my knowledge would that much. Tujiko definitely likes to play with schemes: the nine postcards replacing the booklet on this release show her in casual wear as well as in high heels, show photos of her obviously taken by herself in the bathroom as well as her posing in front of/ on sportscars. You might mistake her singing for shy or reduced at times and part of the lyrics are dreamy images, mostly of going somewhere new (accidental parallel to the german Schlager, but then again to possibly anything written by human beings). Whichever way you might understand (or not understand at all, for that matter) the lyrics, her music definitely never presents a girl unsure of herself or at a loss for words. In contrary, her album "haado ni sasete" discussed here is said to be her most experimental, fragmented piece of work. This is instantly intelligable on the first track, sunahama enjeru ('sandbeach-angel'). As usual, the production has her voice call from afar and whisper to your ear in the next second, at times cutting up voice samples to break them into pieces, just like those poor beats, scattered midair literally like sand. Quite often her songwriting involves looping distorted, dischordant bits to such an extent that it makes them almost sweet, despite the originally rather unusual collection of laptop-sounds or noises. On the first track, she won't make it that easy for you though, resulting in a spectacular yet demanding and probably slightly scary introduction to the album as whole.

Track 2, give face is a lot easier to swallow at first glance but in fact almost ups the weirdness by including raps done by a certain Moyunijumo, who in the beginning sounds like some pervert breathing heavily into a telephone... and remains hard to tolerate for the rest of the track, but that might just be my long-standing discomfort with rap as a whole. Third track hae is also to be found on her collaboration-album with Aoki Takamasa, which made me feel nostalgic for something not even one year old in my personal history. Anyway, both versions derserve to be heard anytime and shown to anyone open-minded you like. Very very lovable stuff here, closer to her more straight-forward later work but more interesting, as in: strange and beautiful, which equals strangely beautiful in my book. I'd like to mention one more track, pengin, which is not only great because it is named 'penguin' and features these fantastic animals in its almost-as-fantastic video I linked below, but also since it brings to perfection the looping songwriting I mentioned above to form some truly spiral-like, hypnotizing image, like M.C. Escher going wild on a glacier. The fact that you can find some soundpieces on this album in her other works gives the whole thing an even more intimate feeling despite the often „cold“ soundscapes. Then again, songs like sen or mugen ressha are just so delicate, they have a folky or ambient feel to them that makes them likeable to those less fascinated by glitches or weird structures.

If you're (like me) a fan of the physical incarnation of music, this one might be a bit tough to dig out since it was released in the west through now-bankrupt Austrian label 'mego' once in 2002 and not (yet?) re-released by the 'éditions mego'-label follow-up. Of course there's still a japanese version out, if you can really get your hands on that one and don't mind the ridiculous pricetag.

Video: Tujiko Noriko - Pengin

Samstag, 8. November 2008

Grenzgänger

Stars Of The Lid - And Their Refinement Of The Decline

sotl Wenn der Gründer des feinen 4AD-Labels von einer Band meint "I simply feel that they are making the most important music of the 21st century." dann wird das 1. überall zu Werbezwecken genutzt werden (oder als einfallslose Einleitung) und 2. gewisse Erwartungen an etwas Außergewöhnliches wecken. Und außergewöhnlich sind Stars of the Lid ja auch. Außergewöhnlich wichtig oder außergewöhnlich schön oder außergewöhnlich fortschrittlich vielleicht? Auf jeden Fall nicht sehr bündig, hier 120 Minuten auf wahlweise zwei CDs oder drei LPs, die sich nach bester 'Bohren & der Club of Gore'-Manier vornehmlich der Abstinenz musikalischen Geschehens widmen.

Und dabei den Hörer zudem im Gegensatz zum Club nicht in den kalten Keller schicken, sondern in Watte einwickeln bis zur Unbeweglichkeit. Nicht im entferntesten nach Gitarren klingende Gitarren sowie Bläser verschmelzen in vollkommener Homogenität zu herein- und herausschleichenden Klangwellen, werden leicht moduliert und selten auch ergänzt, etwa von einem vorsichtigen Piano wie im besonders tollen 'Apreludes (in C sharp major)'. Am überraschendsten fand ich dabei, dass sich trotz der klaren Linie (man kann auch sagen: kaum vorhandenen Abwechslung) kein ganzheitlicher, übergroßer Soundklotz entsteht, den sowieso kein Mensch in seiner Gesamtheit aufmerksam verdauen könnte. Tatsächlich finden sich hier einige „Songs“ (oha!), die qualitativ klar hervorstechen und einen von gerade ausgeübten Tätigkeiten ablenken können. Wobei das auch mit darin begründet sein könnte, dass man bei drei LPs öfter mal wechseln muss und die Songs automatisch in Gruppen kennenlernt und vielleicht aktiver zuhört. Die Frage nach dem Hörkontext stellt sich hier natürlich mehr als etwa bei dem letzten Album von the Locust. Geht das, dem Ambient so richtig zuhören? Und wenn nicht, was ist derart bescheidene Musik wert, die nur in Hintergründen existiert oder funktioniert? Man bewegt sich hier auf dem schmalen Grat zwischen gähnenden Abgründen der Belanglosigkeit auf der einen Seite, jedoch auch einer ernstzunehmenden Herausforderung für den Liebhaber auf der anderen.

Denn in all seiner Ruhe ist das hier auch ein wenig anarchisch komponierter Irrsinn, der in langen und garnicht so wiederholungsträchtigen Melodieführungen ein gewisses Zukleistern der Lücken seitens des Hörers verlangt und natürlich nichts mit Albernheiten wie Refrains am Hut hat. Die Musik scheint nicht als Geistesblitz kreativer Köpfe unbedingt nach außen dringen zu wollen, auch ist akribische, humorlose Arbeit daran vorstell-, jedoch nicht hörbar. Vielmehr scheint sie aus sich selbst zu entstehen, einfach so da zu sein, so dass als einziges Adjektiv überhaupt „natürlich“ sie treffend beschreiben kann. Ein wenig wie im Japanischen, wo die 'Natur', etwas seltsam, als shizen 自然 ihrem Namen nach ganz ursprünglich gedeutet „von sich selbst so ist“. Nicht für irgendwen oder einen bestimmten Zweck, so profan das alles ist, aber wunderschön und von einer unkomplizierten Emotionalität (wenn es so etwas gibt). Die Band scheint dem beizuwohnen mit wohlwollend guter Laune, vergibt Titel wie „Articulate Silences“ oder „Hiberner Toujours“ und lässt ein Album entstehen, das Zeit und andere Dringlichkeiten marginalisiert. Ein Schelm, wer hier Zahlen zückte.

(ohne Bewertung)

Jim O'Rourke, Akira Sakata, Yoshimio - Hagyou

hagyou Ein Blick auf meine „Zuletzt gekauft“-Liste rechts in letzter Zeit könnte es verraten: Der gute Jim O'Rourke hat es mir ziemlich angetan. Wer als Soundtüftler nicht unwesentlich beteiligt war an zwei meiner Lieblingsalben, wer in meiner Lieblingsband spielte und die Hälfte der ebenfalls tollen Gastr del Sol darstellte und nicht zuletzt auch solo von beeindruckenden Laptop-Improvisationen bis einschmeichelndem Folk irgendwie alles kann... der darf sich dann auch aussuchen, mit wem er sonst noch künstlerisch kollaboriert.

Die Japaner scheinen Jim auch knorke zu finden, denn auf diesem Album gesellten sich Multiinstrumentalist, hauptberuflich Saxophonist Akira Sakata sowie Yoshimi (of Boredoms fame) dazu, der sich prompt noch ein „o“ an den Namen hängte, vielleicht weil ihm das von Jim so gut gefallen hat.

Die Spinecard verspricht スタティックな音の世界, also wörtlich eine „statische Tonwelt“, was mir nicht einleuchtet. Obwohl hier Tonwelt schon ein passendes Wort ist, kann man an den maximal beweglichen fünf Konstrukten hier wenig Statisches finden. Wenn überhaupt, dann ist alles so konsequent in Bewegung, dass dieser Zustand selbst statisch wirkt. Im Vergleich zu Stars of the Lid, denen ich oben einen gewissen Anspruch an den Hörer andichtete (und wo mir nicht jeder zustimmen wird), wirkt dieses Werk noch um einiges fordernder. Obwohl es kaum aggressive Züge trägt, wird es doch Hörgewohnheiten herausfordern und sich für Manchen an der Grenze des übertriebenen Abstraktionsgrades bewegen, gerne mit dem Free Jazz-Genre assoziiert. Dazu wird auch Sakatas Saxophon, das Sakaphon, ordentlich beitragen, steht es doch oft im Mittelpunkt und hat als Instrument für mich persönlich erhöhtes Nervpotenzial. Doch das Sakaphon mag das Atonale gar nicht so gern und es befindet sich, vor allem wenn mit Kopfhörern konsumiert, in wunderbarer Gesellschaft.

Jim spielt eine herrlich lofi-wummernde, teils etwas bluesige Gitarre, die mich sofort an seine Sonic Youth Zeit (SYR3) denken lässt, und auch seine Elektronikkiste hat er wieder ausgepackt. Mal zieht er gezielt den gewünschten Tiefton heraus, mal hat er sie nicht aufgeräumt und verwirrt angenehm. Yoshimi-O spielt Pian-O, wie die andern beiden übrigens auch, und schreisingt dazu in einer Fantasiesprache, mehr perkussiv als melodietragend könnte man sagen. Und falls das jetzt alles nach abstrusem Soundgewirr oder pseudo-intellektueller Pitchfork-Musik klingt, kann ich zum Glück widersprechen. Denn 1. ist Jim ein verdammtes Genie wenn es darum geht, die Soundbausteine jeglichen musikalischen Inputs, und komme er aus noch so verschiedenen Richtungen, richtig aufzutürmen bis ein sonderbar dreidimensionales Gebilde entsteht. Und manchmal zieht er auch was raus und das funktioniert frecherweise ebenfalls. Jim spielt bestimmt auch gern mit sich allein Jenga.

Neben Jenga-Jims Fähigkeiten sei 2. gesagt, dass es sich hier um erstaunlich zielstrebige Kompositionen handelt. Es bedarf zwar sicher ein paar Hördurchgängen mehr, aber was alleine im zweiten Track, 'A vessel on a foggy night' steckt, ist das schon wert. Die ersten zwei-einhalb Minuten scheint hier alles in der Luft zu hängen, ehe mit ein, zwei Gesten die ganze Stimmung kippt, mit der Tür ins Geisterhaus. Da verzeih ich ihnen auch, dass sie im etwa 18 Minuten langen dritten Track das Sakaphon eine Zeitlang vom Atonalvirus befallen lassen. Denn die in dieser Kombination recht originellen Zutaten und die Edelproduktion machen das Album wirklich interessant und hörenswert, was eine 8/10 auf jeden Fall rechtfertigt. Für eine 9 müssten es mir dann doch mehr Tracks sein, die nicht nur musikalische, sondern auch emotionale Qualitäten besitzen.

Mittwoch, 13. August 2008

Zum anfassen, bitte

"Warum lädst du die Musik nicht einfach runter?"
Kaum ein Satz, der einen Musikliebhaber mehr entzürnen kann als dieser. Gerne gesprochen von Menschen bar wirklichen Interesses an Musik oder solchen mit einer fragwürdigen Einstellung zu Bezahlen oder Nicht-Bezahlen von urheberrechtsgeschütztem Kulturgut. Kaufen kann man Musikdownloads ja längst auch, schön. Soll mir recht sein unter der einen Voraussetzung, und um die geht es mir, um die habe ich langsam Sorgen: dass ich die Wahl habe, für mein Geld auch etwas in den Händen zu halten, statt ein paar Files auf der Festplatte zum anklicken.

Als CD-Käufer ist ja man schon fast Anachronist, Nostalgiker und vielleicht sogar ein wenig Liebhaber, Retter der Musikindustrie im kleineren Maßstab. Als LP-Käufer wahlweise Gourmet, von vorvorgestern oder HiFi-Nerd. In jedem Fall aber offenbar: Teil einer vom Aussterben bedrohten Gattung. Es mag nicht jedem naheliegen, sich für die bloße physische Präsenz von Musik überhaupt begeistern zu können. Verständlich bei einem derart alltäglich und billig gewordenen Objekt wie einer CD, oft noch mit überhöhten Preisen (seltsamerweise meist von den größten Labels) und magerer Ausstattung (Postkarte als "Booklet").

Brian Dettmer, dessen großartige 'Book Autopsies' ihr hier finden könnt, sagte es in einem Interview so wunderbar treffend, dass ich hier frech zitieren muss:
"If the content meant something to me then the object means something to me. It's part of saving our history and if it all slips out of the physical world and becomes digital we are more vulnerable, less tangible and it feels unstable. (...) We gain space, use less natural materials and it becomes more accessible but as that happens it becomes less stable, less valuable and less important." *

Der Prozess der Abwertung von Musik zu einem profanen "Produkt", das sich in der MP3 zu seiner reduziertesten, elementarsten Form entwickelte ("nur Musik", kein Artwork, keine Verpackung, weniger Vorselektion), wird dadurch nur beschleunigt, sofern er nicht längst für den Großteil der Bevölkerung beendet ist. Die Konzentration auf das Wesentliche könnte ja die Konzentration auf Musik selbst fördern. Auch stellte sich mir nach manch teurerem Kauf die Frage, ob ein Haufen Kunsstoff und Papier in der persönlichen Wertschätzung gleichberechtigt neben dem eigentlichen Objekt des Interesses, der Musik, stehen mag. Auf der anderen Seite fördert eine MP3 wohl kaum die intensivere Beschäftigung mit Musik. Bei Nichtgefallen während des ersten Hördurchganges landet sie womöglich umgehend im Papierkorb oder ist eine sichere Dateileiche, begraben unter der Datenlawine die Musik beinhalten will, letztlich aber verschwendet ist wie ein teurer Wein an einen Alkoholiker.

So gesehen bin ich doch froh, überhaupt noch die Zeiten erleben zu können in denen man Musik nicht nur auf CD, nein sogar noch auf Vinyl bekommen kann. Wer weiß wie das unseren Kindern mal geht? Ach so, "Nostalgiker" empfand ich schon immer als Kompliment.

* Brian Dettmer Interview in Lodown issue 62, S. 64 - 66

Freitag, 1. Februar 2008

Öhrchen

newsun Slap Happy Humphrey - s/t
Wurde eigentlich die Schublade für Noise-Folk schon beschriftet? Drei Japaner covern eine 70er Folksängerin namens Morita Doji mit schnörkellosen, äußerst direkten und etwas traurigen Liedern. Nach zwei Strophen nickt wahrscheinlich die Sängerin dem Gitarristen Jojo Hiroshige zu, der seinerseits ein paar Sekunden puren Krach aus seinem Instrument schüttelt. Und man denkt sich: hä?
Auch wenn hier keineswegs immer diese Schablone verwendet wird, so schien mir der Zusammenhang der Songzutaten beim ersten Höhren schleierhaft. Extreme nebeneinanderstellen kann schließlich jeder. Und was ich z.B. an Sonic Youth so schätze ist eher, wie Gegensätze wie auch Improvisation und Songwriting in einer fast jazz-artigen Facon ineinanderfließen und somit nichts aufgesetzt wirkt (klappt auch bei denen nicht immer, klar). Vielleicht ist es auch die gnadenlose Unschuldigkeit dieser Folkperlen, oder dass der Gesamtentwurf viel weniger konventionell rüberkommt als ich erwartet hatte. Jedenfalls ist das zweite Hören gerade erleuchtender.

makes me: want to get this on vinyl

The Oscillation - Out Of Phase
Mehr Effekte! Ich kann nie genug Gitarreneffekte haben, und eigentlich kann man die auch gleich bei allen anderen Instrumenten benutzen! Ist mir alles recht. Dachte ich immer. Out Of Phase ist wohl das erste Album, bei dem ich mir mehr Fokus wünsche (sonst wünsche ich mir mehr Weite in der Regel, mehr Spuren). Vom astreinen Shoegazer-Opener geht die Reise sehr schnell in Gefilde zwischen Krautrock und organisch pulsierenden, treibenden Danceelementen. Dabei flirrt und rauscht es an allen Ecken und Enden und das klingt dann auch wahnsinnig cool.
newsun
Von so grandiosen Dingern wie dem Kopfnickvirus "Comatone" ganz zu schweigen. Trotzdem gehen manche Songs irgendwie in keine Richtung bis zu ihrem Ziel und sind deshalb leicht unbefriedigend.

makes me: want to cut Captain Future clips to this album

Samstag, 15. Dezember 2007

unausweichlicher jahres-top-10-eintrag

Ich kann nicht anders... meine Lieblingsalben 2007. Nicht zwingend 2007 erschienen, weil dann wären es keine zehn Platten. Langweiliges Jahr. Naja.

1. Olivia Tremor Control - (Music From The Unrealized Filmscript:)Dusk At Cubist Castle
Ich hab einfach eine Schwäche für die Formel, Popsongs unter Krach zu beerdigen und dabei den Regler beliebig in die eine oder andere Richtung zu verschieben. Da stören mich auch die teils mehrminütigen Tapeloop-Experimente nicht, wenn der Rest vor kleinen Details, großen Ideen und konstanter Spontanität zu bersten scheint.

2. Deerhunter - Cryptograms
Ja, also... Formel Nr 2? Ambientgeblubber auf der einen Seite und wahnsinnig mit Spuren überladene, pulsierende Spiralennummern auf der anderen, die sich hypnotisch ins Hirn schrauben.

3. Nina Nastasia & Jim White - You Follow Me
Wunderschöne Folksongs von Frau Nastasia, aufgewirbelt von dem beeindruckend variationsreichen, agilen Schlagzeugspiel von Jim White.

4. Steve Reich - Music For 18 Musicians
5. Miracle Fortress - Five Roses
6. Weakerthans - Reunion Tour
7. Menomena - Friend And Foe
8. Panda Bear - Person Pitch
9. Yo La Tengo - I Can Hear The Heart Beating As One
10. Cat Power - Moon Pix

Mittwoch, 5. Dezember 2007

bunte bilder und sirupmusik

Nachdem ich bei einem Freund auch mal die aktuelle i-Pod-Generation mit ihren süßen Displays gesehen habe, wusste ich dass mal wieder ein i-tunes-Update fällig wird. Eigentlich benutze ich das Programm nur, um CDs auf meinen nun fast schon antiquierten Mini zu ziehen (der natürlich kein Farbdisplay hat) und so gut wie nie um Musik damit zu hören, aber die Coverflow-Option ist einfach mächtig cool! Auch wenn es einige Zeit in Anspruch nimmt, die Cover zusammenzusuchen und reinzuziehen: wenn man dann im Ergebnis die Cover so schick rumscrollen sieht, merkt man wieder, wie sehr man dem Apple-Chic verfallen ist. Nutzlosen Kram der hübsch aussieht fand ich eh schon immer super.

Ein Blick auf meinen sozusagen eigenen "Coverflow" rechts sagt mir, es wäre angebracht auch über musikalischen Inhalt mal wieder etwas beizutragen.

Pluramon - The Monstrous Surplus
Manchmal ist es wohl angebracht, sich nicht zu sehr von den schnöden Fakten der Albumentstehung beeinflussen zu lassen. Ob man Julia Hummer gut finden darf, habe ich mit mir bis heute nicht geklärt und dann ist da noch eine ehemalige Spex-Mitarbeiterin am Start... Soll uns aber alles egal sein (außer man mag Julias Stimme nicht), denn dieses Album ist richtig gut!

Der erste Song, 'Turn In', erinnert mich mit seiner zuckrigen Endlosmelodie und dem verzerrten Gesang der Amerikanerin Julee Cruise and Broken Social Scenes 'Anthems For A Seventeen Year Old Girl', aber auch an die üblichen Shoegazer-Genreverdächtigen. Anders gesagt, der Sound leiert und kratzt genau so viel, dass die Kitschpolizei nicht ausrücken muss und man trotzdem gemütlich dazu träumen kann. Mit 'If Time Was On My Side' gelingt Frau Hummer dann ein reichlich seltsames Kunststück. Im Grunde handelt es sich um einen relativ gleichförmigen und harmlosen Popsong, also die Art von Lied die bei mir nie länger als zwei Minuten sein darf weil es sonst langweilt. Paradoxerweise gefällt mir dieser Song aber gerade auf seine Länge hin gesehen (oder gehört). Vielleicht liegt es an den feinen Nuancen, die da doch verschoben werden? 'Drowning In You' macht aus Laptop-Gebrummel und ständig wiederhallenden Stimmfetzen einen wunderbar entrückten, dicht zugepackten Sturm im Wasserglas. Und mit dem seltsam betitelten "Fresh Aufhebung" steht in der Albummitte der nötige Bruch, der nachdrücklich betont, dass hier keine Malen-nach-Zahlen-Genreplatte serviert wird. Was da um den Spoken Word Beitrag an Geräuschen aufgebaut wird, ist noch nichtmal überambitioniertes Avantgardegedöns oder anstrengender Noiseterrorismus, sondern auf seine Weise wunderbar agil und frisch. Überhaupt ist der Computereinsatz auf diesem Album nie fehlplaziert, sondern stets eine große Bereicherung des Klangs.

Genau wie die Berliner Kollegen von Monoland lassen sich Pluramon nicht festlegen auf ein Schema, auch wenn ich Pluramon hier eine größere Affinität zu klaren Strukturen und Schönheit zuweisen würde als den etwas ausschweifenderen Monoland. Vielleicht ist damit The Monstrous Surplus auch weniger anspruchsvoll oder einzigartig. In erster Linie finde ich das Album einfach wunderbar kompakt. Es ist nicht mit schwachen Stücken gestreckt sondern packt einen für seine Spielzeit lieber derart liebevoll in Watte ein, dass es süchtig macht. Genau wie...

Miracle Fortress - Five Roses
Nach meinen ausschweifenden Bemerkungen zu Pluramon versuche ich mal, das hier kurz und bündig zu sagen: Wer Songs mag, die mit ihren schwelgerischen und unschuldigen Melodien fast zwangsweise einen 60er-Touch bekommen, jedoch mit diversen experimentellen Mutationen behaftet sind, der sollte dieser Pralinenschachtel von einem Album eine Chance geben.

Die Vergleiche zu Animal Collective und den viel zu guten Olivia Tremor Control drängen sich auf, doch bei Miracle Fortress steht die Hörungewohnheit immer hinten an und die Hymnen an erster Stelle. Auch hier gibts ordentlich digitale Unterstützung, wobei Five Roses aber eigentlich zu warm und direkt klingt, als dass man sich daran stören könnte. Lediglich die oft manipulierte Gesangsspur (so kann man doch nicht singen??) könnte für manche ein Kritikpunkt sein, ich finde aber, dass das ganze Soundgebilde nur auf diese Weise seine geniale Homogenität bewahren kann. Five Roses stellt sich für mich im Direktvergleich als das strahlendere, universalere Album dar, während Pluramon eher ein Stimmungsalbum ist.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Boredoms - Vision Creation Newsun

newsun Eine halbe Minute lässt einen Vision Creation Newsun im Glauben, man könne das hier ohne Folgeschäden überstehen. Lose schwirrende Gitarren und digitales Geflöte, wie man es von den Berlinern Monoland oder teilweise auch My Bloody Valentine kennt, möchten ein schönes Dreampopalbum ankündigen. Dann nölt Frontmann Yamatsuka Eye "Newsuuuun"...

...und plötzlich sind wir mitten im E-Gitarren-powered Avantgarde Jazz, an dem auch John Zorn seine Freude hätte. Dudelige Elektrosounds loopen sich ins Gehirn und bei der Vier-Minuten-Marke steht der Song plötzlich nackt da. Tribaldrumming im Dschungel, Samba, zwei Minuten verschnaufen bei Dauerbeat. Dann ab Minute 6 wieder zischende Effekthascherei und das kaputte Spielzeug, das die immer gleiche Tonleiter rauf und runter spielt. "Vision, Creation, Newsun!" immer wieder. In Minute 8 bricht alles auseinander und mündet in ein reich schimmerndes Klangmeer aus blubbernden Effekten, einer Gitarre die im Nebenraum ein endloses Solo spielt und noch mehr krummen Rhythmen. Endlich schlägt wie ein Tsunami nach über zwölf Minuten musikalischer Achterbahn ein Drone über dem Stück ein. Der erste Track ist fast überstanden. Und die Boredoms haben sich eingespielt.

Wie in Trance beschleunigen sie immer weiter und scheinen unausweichlich auf ein Crescendo zuzusteuern. Das wäre aber natürlich langweilig, darum haut Eye einen der vielleicht fiesesten Breaks überhaupt ein und lässt den Titel komplett aus der Spur laufen, zerhackt das Tape bis man eigentlich sicher ist, dass die CD hängt. Langsam aber findet das vorherige Thema wieder seinen Weg in das gestörte Synthie-fiepen und schlägt nun tatsächlich noch mehr ein. Das ist dann endgültig Technodisco für Jazzliebhaber und Noisefans. Dann besinnt man sich wieder für einen entspannten dritten Track (Songtitel gab es nur in der japanischen Version, und auch da nur in Form von Symbolen wie "Spirale") auf effektvolles Schlagzeugspiel und ein einfaches Thema, das von allen Seiten versucht den Kopf zu infiltrieren und nur durch Mitwippen kompensierbar ist. Wer auf einen erneuten Geschwindigkeitsrausch und den vollkommenen Sprung gegen die Betonwand wartet, wird aber daraufhin auch nochmal bedient.

Die meist nahtlosen Übergänge der neun Tracks formen zusammen mit dem fast ununterbrochenen Einsatz von manischem, archaisch anmutendem Getrommel einen irrwitzigen Sog. Immer wieder ebben die verrückten Jams ab und lassen Raum für Ambientträumereien, die dann wieder von den Drums nach vorne geprügelt werden. Auch die extrem penible und beizeiten einfallsreiche Produktion ist sehr beeindruckend und macht das Album noch eigenwilliger und fokussierter. Kunst im besten Sinne. Daher:

∑∆Ω/10

77 Boadrum Video (Yamatsuka Eye und 77 Schlagzeuger)

Sonntag, 19. August 2007

Sonic Youth - A Thousand Leaves

a thousand leaves Sonic Youth wird ja gerne vorgeworfen, dass sie prätentiösen Kunstquatsch fabrizieren. Bei einem Opener wie 'Contre le sexisme' auf dem zu unrecht vergessenen A Thousand Leaves Album kann ich das dann auch verstehen. Zusammenhanglose Improvisationen gemischt mit den üblich "graziös" hingerotzten Vocals von Kim Gordon bilden nicht gerade einen fesselnden Auftakt.

Der kommt danach. 'Sunday' ist wohl eine der schönsten Singles, die sie sich je getraut haben; zeigt wie subtiler Noise einen schwelgerischen Popsong über Freunde und Sonntage wirklich bereichern kann und wie euphorisch ein kleiner Feedbackausflug wirken kann. 'Wild Flower Soul', ein weiteres Moore-Highlight, kontrastiert einen schlimmen atonalen Tonbogen mit noch viel weiter reichenden Jams, wabernden Effekten und funkelnden Melodien. Der Spagat zwischen den anspruchsvollen und ausufernden Experimenten der SYR-Serie und wohltuenden Indierockperlen, verpackt meist in ein und denselben Song, ist auf keinem anderen Album so präsent und so gelungen wie auf A Thousand Leaves.

Die ruhigen Passagen wirken noch schöner und klarer, die Auswüchse noch spontaner und trotzdem ausgefeilter. Mit 'Karen Koltrane' gibt es zudem den besten Lee Ronaldo Song überhaupt, in dem er mal wieder beweist dass er die angenehmste Stimme der Band hat und dem düsteren, dronigen Song endgültig die Gänsehautgarantie verleiht. Wie schön, dass mit 'Hits of Sunshine' (11 Minuten!) aber auch durchweg positive, fast jazzige Klänge das Zentrum der Platte bestimmen. So lässt es sich verzeihen, wenn das Album so seltsam endet wie es begann. Denn alles dazwischen ist wunderbar.

12/ 17 auf der eigenen Sonic Youth Skala.

Mittwoch, 8. August 2007

Radiohead - Kid A

kid a Ein Dogma der Indiemusik (was auch immer das eigentlich ist): Radiohead hat man gefälligst gut zu finden. OK Computer halte ich persönlich für eines der am meisten überbewerteten Alben ever. Aber bei Kid A seh ich ein, woher der gute Ruf kommt. Heute Abend geht es in die Detailbetrachtung.

1.Everything In Its Right Place
Wow, ich LIEBE diese warmen Keyboardtöne am Anfang. Ich lasse mich immer von Musik wecken und dieser Einstieg ins Album eignet sich perfekt dafür. An Yorkes Stimme muss ich mich immer wieder neu gewöhnen, aber das funktioniert hier gut.

2.Kid A
Hab ich noch nie verstanden, ausgerechnet der Titeltrack ist das schwächste Stück. Wirkt für mich wie ein Interlude. Wenn ich in allerbester Stimmung für das Album bin, geb ich dem Song ne Chance, ansonsten geh ich aus dem Zimmer und hol mir nen Milchkaffee.

3.the National Anthem
Klar das beste Stück, fantastisch, grandios, toll. Der sture Endlosgroove, der hier mit dem Bass und Schlagzeug gestrickt wird, verdreht mir eh schon den Kopf. Dann baut sich der Song immer weiter aus und wird schließlich von Bläsern überfallen, was in einem jazz-riot gipfelt der mich immer wieder erstaunt.

4.How to Disappear Completely
Schöner, griffiger und melancholischer Song mit dem fast mantra-haften „I´m not here, this isn´t happening“. Realitätsverdrängung find ich eh gut. Um mal wieder eine Klischeephrase zu bringen: ein Song in dem man sich verlieren kann.

5.Treefingers
Da sind schon wieder diese göttlichen Keyboardklänge bei denen ich mir vor Freude in die Hose machen könnte. Wunderbar leichter, unaufgeregter Ambientkram, der auch beim Kranky Label gut aufgehoben wäre. Weckt in mir die Lust ,bei besagtem Label viel geld zu lassen für minimalistische Beinahe-Musik.

6.Optimistic
Klingt irgendwie optimistisch (ja?). Bei dem kleinen Ausbruch bei 2:33 krieg ich immer eine Gänsehaut. Schon wieder ein fast glasklarer Popsong. Welche Nasen heben eigentlich immer die „Sperrigkeit“ des Albums hervor? Naja, hier gibt es ganz oft die „Wooohooo hooo“-Gesänge, die kommen recht gut. Macht am Ende nen Knick um perfekt in In Limbo überzugehen.

7.In Limbo
Die Gitarrenmelodie, die hier mit dem punktierenden Computer-Düt-Düt ringt, ist so unglaublich schön! „I´m lost at sea, don´t bother me, I´ve lost my way“. Klingt ein bisschen so als würden Tortoise die Pixies covern. Ich mag auch wie der Song plötzlich im Tapesalat untergeht.

8.Idioteque
Hui, punchy Beats. Sehr rhythmusbetont und streng, fast etwas anstrengend. Zum Glück singt Thom Yorke immer im Schlafanzug. Was für einen Schlafanzug er wohl hat? Ich glaub einen mit hellblauen Punkten. Aber ich will auch nie daran denken wie der Typ tatsächlich aussieht (gruselig).

9.Morning Bell
Nochmal kurz vor Ende ein Favorit. Der Beat ist sehr interessant finde ich. Überhaupt ist es ganz spannend was hier so alles passiert, wenn man sich mal darauf konzentriert was hinter Yorkes Gesangsmelodien (die mit der Zeit etwas unoriginell klingen für mich) abgemischt so alles passiert. Ab 3:40 schlägt der Song dann nochmal einen Haken und tapst ein paar Sekunden wundervoll durch die Strukturen.

10.Motion Picture Soundtrack
Ein ziemlich kitschiger, aber auch schöner letzter Track, der fast eines meiner persönlichen Hasswörter verlangt: Ballade. Ach, nein, ist es nicht. Der Hidden Track ist irgendwie sinnlos, stört aber auch nicht weiter.

Insgesamt ein sehr gutes Album, dem ich in der richtigen Stimmung eine 9/10 gönne.

Donnerstag, 19. Juli 2007

Sucht

Was für ein Monat! Ich komm garnicht mehr klar, die Sucht hat mich!
schokomac Zum einen dieses wundervolle Produkt "Schoko Mac", im Grunde ein dreister Ripoff des Milky Way Brotaufstrichs der schon meine Kindheit braun-weiß streifte. Nach Jahren des Nutellamonopols auf dem Frühstückstisch kam plötzlich die Erleuchtung, dass nur Schoko Mac das Gebäck richtig veredelt. Was ist auch schmackiger als sich ne Kinderschokolade bzw ein Milky Way aufs Brot zu streichen?

Ebenfalls ein jahrelanges Monopol ablösen konnte meine zweite neue Leidenschaft, Schallplatten. Mir war es eigentlich nie in den Sinn gekommen den alten, verlassenen Plattenspieler aus dem Familienbesitz an mich zu reißen und mal ne Platte statt einer viel praktischeren CD zu kaufen. Bis mich plötzlich der eigene Charme des Mediums überwältigte. Gerade die umständliche, unhandliche, in der Regel schwerer zu bekommende, empfindlichere Scheibenvariante hat es mir angetan. Bei Alben die man wahrscheinlich tothört, die man schnell ins iTunes ziehen will oder gezielt einzelne Tracks raussucht; da sehe ich natürlich tunlichst davon ab ne Vinyl zu wählen. Aber für Liebhaberplatten, freakiges oder anstrengendes Material, da kommt mir eine Platte gerade recht. Innerhalb von zwei Wochen wurden es dann 14 LPs und eine 7"...

Montag, 9. Juli 2007

Slowdive - Souvlaki

souvlaki Neues zum Thema Musik und Ernährung: Souvlaki ist ein griechischer, marinierter Fleischspieß. Dabei hätte ein anderer Titel zu Slowdives anerkannt größtem Wurf besser gepasst: just like honey. Süß, zähflüssig, klebrig. Gleich die ersten beiden Tracks, 'Alison' und 'Machine Gun' outen sich als wunderschöne Bilderbuch-Popsongs mit Hang zum verzögernden Schleppen. Auf den superbreiten Keyboardflächen surfen dermaßen fluffige Gitarren, dass diese auch schon fast wie Keyboards klingen. Die mal männlichen, mal weiblichen Vocals sind in bester My Bloody Valentine - Tradition herrlich sehnsüchtig dahingestöhnt und spätestens nach diesen beiden Liedern schwebt man knapp über dem Boden.

Zwei weitere Tracks entstanden aus einer Zusammenarbeit mit Ambientgott Brian Eno, eröffnen noch mehr Weite und drohen beim ersten Hören fast ihre Greifbarkeit komplett zu verlieren. Gerade 'Sing' stellt aber ein definitives Highlight der Platte dar und nagelt die Ambivalenz aus wohltuender, fast euphorisiender Melancholie genau fest. Und wo man schon dabei ist, dröhnt 'Souvlaki Space Station' verhallt in ganz andere Sphären hervor. Da gehen bereits genannte My Bloody Valentine mit Sigur Ros bowlen im Weltall und alle gewinnen. 'When the sun hits' ist eines dieser Lieder, dem man schon beim großartigen Gitarrenriff zu Beginn hilflos ausgeliefert ist. Monumental. Mir kam spontan 'Candle' von der Daydream Nation in den Sinn. Das traurige 'Dagger' lässt schließlich den Dolch im Rücken stecken. Der Astronaut schwebt haltlos durchs All, ich bade in Honig.

Freitag, 15. Juni 2007

shopping for compliments

= Die kleine Impressionenrunde für zwischendurch anlässlich in letzter Zeit gekaufter Scheiben.

Wilco - Sky Blue Sky
Nach Yankee Hotel Foxtrot (dem anerkannt perfektesten Album überhaupt) und dem hochambitionierten A Ghost Is Born wirkt Sky Blue Sky wie von einer anderen Band. Das schunkelt alles harmlos an mir vorbei und grüßt dabei nett. Aber vielleicht will ich genau das am Morgen, wenn´s zur Uni geht. Soul-typischer Gesang von Tweedy geht trotzdem garnicht. 7/10

Liars - Drum´s Not Dead
Die Liars scheinen mir die ultimative 'art for art´s sake' Band zu sein. Von der fontlastigen Cover/ Backcover/ Songliste Kombination über die beiliegende DVD bis zum perkussiven Grundkonzept dieses Albums ist das irgendwie Musik für Kunststudenten. Die Songs sind aber gut greifbar, verlieren dann dafür umso schneller ihren Reiz. 7/10, auch wegen der interessanten DVD, ansonsten bin ich vom Gehalt etwas enttäuscht.

Blonde Redhead - 23
Das hatte ich wiederum viel verzerrter erwartet. Analoger, richtig schön zerfließend à la My Bloody Valentine. 23 klingt aber sehr zuckrig, poppig und geordnet. Man höre sich allein den Song 'Dr Strangeluv' an. Aber schlecht ist das auf keinen Fall! Ein bisschen mehr Staubsaugergitarren wie im Opener hätten es für mich sein dürfen, aber wegen der vielen hübschen Melodien und der angenehmen Stimmen vergebe ich gerne 8/10.

Shellac - At Action Park
Debut von Steve Albinis Band Shellac, bei dem sich laut Band alle Songs um Baseball und Kanada drehen. Zu hören gibt es selbstverständlich von Albini produzierten und provozierten Noiserock mit messerscharfen Kanten, unverschämt bockigem Rhythmus und irgendwie scheinen die hier genervt von allem und jedem zu sein. Tollo! Lockere 8/10 und natürlich Pflicht für alle Genrefans. Digipack ist außen pfui und innen huibui. Die CD steckt in nem komischen Feinfasertuch, das hatte ich bis jetzt auch noch nie?!

Donnerstag, 17. Mai 2007

Panda Bear - Person Pitch

Wenn auf dem Cover Menschen mit Tieren baden gehen und der Zuhörer schon im ersten Track vor lauter sonnenverbranntem, verschwurbeltem Psychofolk mittelschwere Schwindelanfälle bekommt, dann ist das wahrscheinlich das letzte Album von Panda Bear.

Der Opener 'Comfy In Nautica' ist schon wie ein Surfbrett unterm Weihnachtsbaum, und drum herum tanzen Indianer. Wie profan da ein Songtitel wie 'Take Pills' daherkommt! Aber hier muss es um das Gegenteil gehen: "I don´t want for us to take pills". Lieber ein bisschen am Kassettenrekorder rumspielen, ihn als Instrument benutzen und noch ein paar Spuren verstecken im Dickicht der Töne und Samples. Die großen Melodien schüttelt der Panda ganz beiläufig aus seinem Fell, baut sie in hoch schwebende Gesangslinien und erinnert damit im über 12 Minuten langen 'Good Girl/ Carrots' gleich an die Beach Boys, Shins und große Taten von großen kanadischen Bands zugleich. Natürlich erst nachdem der Song sich aus einem anstrengenden Beatgeboller geschält hat.

Der andere 12-Minüter 'Bros' kann fast als Hit punkten, schraubt sich in Kreisbahnen in den Himmel und grüßt gleichzeitig die bizarrsten Wesen der Tiefsee. Es ist, als würde die repetitive Struktur der Songs immer wieder bereichert durch Tiere die durch das Studio rennen (und Instrumente spielen können?). Baden gehen mit dem Pandabären macht Spaß, aber vor dem gefährlichen Sonnenstich sollte man sich dringend in Acht nehmen.

8/10

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